Belcanto – Ein Missverständnis?
(Artikel ist in Überarbeitung !!!)
Problemstellung: Für das Schönsingen (ital. Belcanto oder Bel Canto) gibt es keine verbindliche Definition, obgleich der Begriff geradezu inflationär gebraucht wird. Es besteht jedoch ein gewisser Konsens darüber, dass das sog. Schönsingen der vollkommene Ausdruck einer Entfaltung aller individuellen stimmlichen Möglichkeiten unter optimaler Bewahrung der eigenen stimmlichen Gesundheit ist.
Mit diesem Artikel wird versucht, ein wenig Licht in das Dunkel zu bringen, indem (weiter unten) 4 Analyseebenen dargelegt werden.
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Der bekannte Kritiker Jürgen Kesting (Reihe „Große Stimmen” auf NDR Kultur) definiert Belcanto als
…(Gesangs)stil, der einer bestimmten Technik bedarf oder als Technik für einen Stil“.
Idealisten sprechen auch von “the true art of singing“. Eine in diesem Sinne geschulte Stimme kann etwa 40 Jahre lang einen “guten” Klang liefern.
Bekannt ist, dass die Singstile der klassischen Musik gemeinhin unterteilt werden in ein italienisches, ein französisches und ein deutsches Klangideal. Man kann sich vor Augen halten, dass sich die beiden Letztgenannten aus der italienischen Gesangsschule heraus entwickelten. Deutlich wird dieses u.a. daran, dass auch in der deutschen Gesangsschule ein Klang idealisiert wird, der nur – wie auch in der italienischen oder französischen Schule – über einen Registerausgleich zu erzielen ist. So wird deutlich, dass es eine allumfassende scharfe Trennlinie zwischen den Gesangsschulen nicht geben kann, was die hier folgenden Unternehmungen zur Aufschlüsselung des Begriffs umso diffiziler macht.
Für die italienische Schule mag gelten, dass es sie in einem strengen Sinne gar nicht gibt. Der Belcantobegriff wurde und wird mit einer bestimmten Sänger-, Lehrer- und Komponistentradition verbunden, wie auch mit einer musikalischen Epoche. In erster Linie wird damit jedoch ein bestimmtes Klangideal, d.h. ein Ergebnis musikalischer Aktivitäten gemeint. Für den Bereich der Stimmbildung ist es zu bedauern, dass einiges Wissen der alten Meister – da zum Teil nur mündlich überliefert – verloren gegangen ist.
“Der Begriff des Belcanto ist eine relativ späte Erscheinung und stammt wahrscheinlich von Rossini, der in seinen reiferen Jahren behauptete, daß die Sänger nicht mehr wüssten, was ein Belcanto sei. Was er vermutlich damit meinte, war, dass die Sänger die Kunst des schönen Gesangs verloren hätten.” (Peter-Feuchtwanger)
Drei (vier) Analyseebenen
1) Erkennbar wird das Belcanto nach Außen, d.h. für den Hörer, daran, dass der Sänger bestimmte Fähigkeiten zeigt, dieses sind: zu crescendieren und zu diminuieren; eine Leuchtkraft in der Stimme (auch: Silber, Ring (das Klingeln) der Sängerformat und technisch: der Sitz der Stimme in der Kopfresonanz ) zum Ausdruck bringt; eine saubere Intonation, ein langausreichender Atem. Zusammenfassend werden diese Aspekte als Belcantoideale bezeichnet. Weiterhin gilt eine leichte, beweglich gehaltene Stimme, ein guter Lagenausgleich (Registerverschmelzung), Expressivität (z.B. bei Verdi, Puccini oder Mascagni), Virtuosität (z.B. beim Koloraturgesang u. leichtem Triller) und ein reiner, heller und sonorer (resonanzreicher) Klang, als stimmliches Ideal, wie auch eine freie Tonentfaltung (frei von pressen oder drücken des Atems (sog. forcieren; download einfügen); frei von nasalem oder kehligem Klang; ein von der Zungenwurzel und muskulären Anspannungen befreiter Hals).
2) Nach Innen, d.h. für den Sänger, bedeutet das Belcanto rein pragmatisch eine lange Karriere, die Stimme bleibt bis hinein ins höhere Alter flexibel und ausdruckfähig und elastisch. ….
3) Die technische Ebene: Wie die Belcantoideale über die Gesangstechnik erreicht werden, darüber gibt es – vielleicht mehr noch, als die Definition betreffend – vielerlei Auffassungen und Übungen ……..
– Text in Überarbeitung —