Stimmen pur

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Hier geht es um Hörbeispiele purer Stimmen, bzw.um ausgebildete Sänger, die dazu in der Lage sind, diese eben-so (!) klingen zu lassen (keine “Natursänger”!). Auswahlkriterien sind für mich weniger artistisches Können, (z.B. Koloraturen rauf und runter; e.g. Mozarts Königin der Nacht: “Der Hölle Rache …”) , sondern die reine Klangschönheit durch a) das Instrument, b) eine gesunde Gesangstechnik und c) die für mich unabdingbare Performance des rollenimmanenten Affekts. Natürlich ist der Klang einer Stimme auch vom Repertoire abhängig (und vize versa), so dass ein Vergleich der Sängerstimmen vor diesem Hintergrund zu sehen ist.


Joan Sutherland

Joan Sutherland

Stimm-Artisten: Wem fallen da nicht sofort Marilyn Horne oder Joan Sutherland ein, zumal sie gemeinsam auf der Bühne standen und zusammen Platten produzierten (z.B. “The Age of Belcanto”). Ohne Frage zählen sie nicht nur für mich zu den ganz großen Stimmen der 60ger / 70ger Jahre. Ihre Virtuosität, ja der geradezu artistische Umgang mit dem Instrument Stimme, zeugen von größtem technischen Können.  Allein: Mir fehlt es an emotionaler Ausdrucksqualität. Die Virtuosität (Arpeggien, Passagen, Triller und Vorschläge) scheint sich selbst zu genügen, zum Selbstzweck geworden zu sein. Somit trifft sie der gleiche Vorwurf, wie vor ihrer Zeit die Sänger-Kastraten.

Beverly Sills – ebenfalls eine Vertreterin des verzierten Stils – verfügt über eine ekstatische Phonation und (gekonnte!) explosiv-dynamische Atemgebung, aber auch hier dominiert m.E. die Artistik über die Fähigkeit zur emotionalen Ansteckung des Hörers. Bei ihr deutet sich an, was bei Maria Callas für mich noch weit unangenehmer wird: eine Schärfe im Stimmklang. Die Callas hatte eine enorme Durchschlagkraft, aber keine Fülle und Weichheit, wie z.B. Renata Tebaldi. Es ist zu ahnen, dass M.C. in späteren Jahren Stimmprobleme bekommen würde, in der Höhe fehlte es an weicher Rundung. Bzgl. der Virtuosität und der emotionalen Färbung der Stimme, der Intensität des Ausdrucks, war sie allerdings eine Meisterin und der Tebaldi voraus, die ihrerseits und von der Callas anerkannt (“… von Stradivari geschaffen …”), über das vollkommenere Instrument verfügte.

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Ezio Pinza

Ezio Pinza

Pure Stimmen: Ezio Pinza verkörpert für mich die schönste jemals gehörte Männerstimme. Ein Klangbeispiel aus purem Belcanto. Ich kennen keine tiefe Männerstimme, die über alle Lagen und mit jeder Dynamik so leicht geführt wurde. Man vergleiche Boris Christoff´s nahezu konstanten stählernen Presslufthammer mit der goldgeschmiedeten Stimme von Pinza, dessen dynamische und affektive Schattierungen bis zu einem hauchfeinen Pianissimo reichten. Dieses, ohne dabei die Sonorität, die Vollständigkeit des runden Tons, den Vokalausgleich oder das Legato zu verlieren. Und der bei aller Farbgebung immer männlich, ja fast wie ein Macho klang, obgleich er eher ein lyrischer, denn ein dramatischer Sänger war, ein Basso cantante. Bedauerlich, dass es vergleichsweise wenige erhältliche Aufnahmen von ihm gibt. Aber deshalb ja hier das Thema “Stimmen pur” mit Hörbeispielen:

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Als nächstes das weibliche Pendant zu Ezio Pinza:

Renata Tebaldi

Renata Tebaldi

Die Engelsstimme (immer noch (!), auch wenn A. Toscanini sie niemals so nannte): Wie bei Ezio Pinza hört man bei  Renata Tebaldi *) eine wunderbar weiche und runde Stimme. Die Stimme flutet auf dem langen Atem legato durch alle Vokale, bindet gleitend Konsonanten übergangslos ein und leuchtet voller Strahlkraft. Für mich die Göttin der Atemführung. Anderen fehlt es bei ihr an Virtuosität. Leider erlitt ihre Stimmqualität, Anfang der 60ger Jahre nach einem privaten Schicksalsschlag, einen Knick, von dem sie sich nicht wieder erholen konnte. Ihre Höhe wurde problematisch, sie begann zu forcieren, die Mittellage jedoch blieb warm und wunderschön. Es fällt mit schwer, die Schönheit der Stimme zu beschreiben, daher hört selbst: (*) In der Tat, das Bild, da konnte ich nicht widerstehen & habe mit eine signiertes Foto zugelegt. Mag es selbst kaum glauben; aber bei dieser Stimme …



“Un bel di vedremo” from Madama Butterfly (G. Puccini) Telecast of February 2, 1959. Renata Tebaldi, soprano; Erich Leinsdorf, conductor. Leider in schlechter Sound-Qualität. Ich werde mal ein neues Video hochladen.

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